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50 Jahre Hupperichfest !!!

Sonntag, den 20. August 2017 ab 11.00 Uhr

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Rievkooche-Kirmes Aegidienberg

Samstag, 2. September bis Montag 4. September 2017

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Bau­en, ba­cken, Schwer­ter schmie­den

Auf dem Bau­spiel­platz in Ae­gi­dien­berg ent­steht ein mit­tel­al­ter­li­ches Dorf

Von Ros­wit­ha Osch­mann

AE­GI­DIEN­BERG. Da könn­te glatt­weg Ma­es­tro Mar­ti­no die Fin­ger im Spiel ha­ben. Der be­rühmt­es­te Koch des 15. Jahr­hun­derts ist auch für sei­ne Nu­del- und So­ßen­re­zep­te be­kannt. Und was des­sen „Nach­fah­ren“ in Ae­gi­dien­berg an­rüh­ren, duf­tet nicht nur ver­füh­re­risch, es schmeckt auch köst­lich. Die Kin­der vom Bau­spiel­platz Ae­gi­dien­berg, dem „Bae­gi 2017“, ma­chen in die­sem Jahr ei­ne Zeit­rei­se ins Mit­tel­al­ter. Auch ku­li­na­risch na­tür­lich. „Gau­di­um, Ge­werk und Nar­re­tei“: So lau­tet das Mot­to der drei­wö­chi­gen Fe­ri­en­ak­ti­on des Ju­gend­treffs Ae­gi­dien­berg.

Wäh­rend die 30 Mäd­chen und Jun­gen ih­re Häu­ser auf ei­ner Wie­se hin­ter der Theo­dor-Weinz-Schu­le bau­en, schüt­tet Tan­ja Gör­lich, die Her­rin der Kräu­ter, die Mak­ka­ro­ni ins ko­chen­de Was­ser. Ihr Grün­zeug hat Welt­ruf. Sie setzt es nicht nur beim Ko­chen ein. Mit Sal­bei et­wa wer­den auch die Häu­ser aus­ge­räu­chert. Und Pfef­fer, wenn er ins of­fe­ne Feu­er ge­wor­fen wird, gibt blau­es Licht.

Hil­fe in der Feld­kü­che leis­tet Je­an-Pier­re (11), der die To­ma­ten­so­ße rührt. Und der sechs­jäh­ri­ge Jan hilft beim Ap­fel­schä­len. Obst, Ge­mü­se und Dips so­wie Brei ste­hen täg­lich auf dem Spei­se­plan. Auch Sup­pe, Mit­tel­al­ter-Fla­den oder Krum­me Karp­fen – mit Kä­se ge­füll­tes Brot – wer­den zu­be­rei­tet. Ju­gend­treff-Lei­ter Mi­cha­el Neu­sel: „Die Kin­der be­stim­men mit, was es gibt. Die wis­sen, dass hier Pom­mes nicht mög­lich sind.“ 

„Die Kü­chen­ar­beit ist ei­ne schö­ne Ab­wech­slung zum Bau­en“, meint Je­an-Pier­re, der zum drit­ten Mal beim „Bae­gi“ mit­macht. Fe­ri­en di­rekt vor der Haus­tür, aber span­nend wie ei­ne Fern­rei­se. Je­den tag zwi­schen 9 und 16 Uhr tau­chen die Kin­der ab in ei­ne völ­lig an­de­re Welt. „Wir ha­ben zwar un­se­re Vor­stel­lun­gen“, er­zählt „Bae­gi“-Chef Mi­cha­el Neu­sel, der von fünf Be­treu­ern un­ter­stützt wird. „Aber die Kin­der ha­ben so vie­le Ide­en, die teils viel bes­ser sind als un­se­re.“ Und so än­dert sich das „Dreh­buch“ in dem mit­tel­al­ter­li­chen Dorf denn auch lau­fend.

Fünf Holz­hüt­ten wer­den ge­baut, bei je­dem Wet­ter. Wie im ech­ten Mit­tel­al­ter wer­den sich, so­bald die Ak­teu­re ein Dach über dem Kopf ha­ben, auch Ma­nu­fak­tu­ren und Zünf­te bil­den. „Hier rich­ten wir ei­ne Ta­ver­ne ein“, ru­fen klei­ne Bau­ar­bei­ter, die mit Feu­er­ei­fer Bret­ter an­na­geln. 80 Pro­zent der Teil­neh­mer ha­ben be­reits „Bae­gi“-Er­fah­rung. Kein Wun­der al­so, dass die Ar­beit flott vor­an­geht. Fritz (10): „Mit mei­ner Klas­se war ich im Frei­licht­mu­se­um. Da ha­be ich ge­se­hen, wie die Häu­ser frü­her aus­ge­se­hen ha­ben.“

Wer baut, braucht Ma­te­ri­al. So­bald der Holz­berg klei­ner wird, müs­sen Bret­ter und Nä­gel be­zahlt wer­den. Klei­ne Kup­fer­mün­zen wer­den als Ta­ler-Wäh­rung in Um­lauf ge­bracht. Fin­di­ge Hand­wer­ker nä­hen Geld­sä­cke. Filz- und Töp­fer-Wa­re wird fa­bri­ziert. Hen­rik (12) möch­te Dien­ste als Wahr­sa­ger und Mas­seur an­bie­ten, so­bald das Haus sei­ner Grup­pe steht. Wo­mög­lich lässt sich bei ihm ein Rit­ter nach har­tem Kampf durch­kne­ten. Denn auch ein Rit­ter­tur­nier wird im mit­tel­al­ter­li­chen Dorf statt­fin­den. Bis da­hin wer­den die Hand­wer­ker noch al­le Hän­de voll zu tun ha­ben, um Schwer­ter und Schil­de aus Pap­pe und Alu­fo­lie zu „schmie­den“. Va­len­tin (11), der vom er­sten „Bae­gi“ an da­bei ist, hat ei­ne Idee, die er bei Mi­cha­el Neu­sel prompt zum Pa­tent an­mel­det: In sei­ner Kunst­schmie­de möch­te er mit Marc, Chris und Nik­las Schwer­ter bau­en – und zwar aus Holz. Neu­sel ist ge­schäfts­tüch­tig und bie­tet Edel­stei­ne zum Ver­zie­ren der Waf­fen. „Da kom­men wir ins Ge­schäft.“ Ka­trin (13) möch­te Thea­ter spie­len. Mit­tel­al­ter-Mu­si­ker wer­den ih­re In­stru­men­te vor­stel­len.

Auch im „Bae­gi“ gibt es Re­geln. „Bae­gus, der Schre­ckli­che“ ist ein Dra­che. Un­ter den Au­gen der Fi­gur wer­den mit Hil­fe ei­nes Rich­ters kon­flik­te ge­löst. Die Kin­der ler­nen ei­ne Men­ge. Auch ge­gen­sei­ti­ge Hil­fe ist selbst­ver­ständ­lich – in je­der Wo­che sind fünf Kin­der mit Be­hin­de­rung da­bei.

Ein Jun­ge flüs­tert Mi­cha­el Neu­sel et­was ins Ohr: „Wir ha­ben Hun­ger!“ Der Pä­da­go­ge schlägt die Trom­mel: Das Sig­nal zum Mit­ta­ges­sen. Auf Stroh­bal­len un­term Zelt­dach neh­men die Pänz Platz, pa­cken Tel­ler und Be­steck aus. Der Ju­gend­treff-Lei­ter gibt das Kom­man­do: „Gu­ten Hun­ger! Haut rein!“ – „Aber fes­te, bis es kracht!“ Ma­es­tro Mar­ti­ni hät­te sei­ne Freu­de an solch ei­ner mun­te­ren Tisch­ge­sell­schaft ge­habt.

Traum vom Dau­er-„Bae­gi“

Ju­gend­treff-Lei­ter Mi­cha­el Neu­sel hat ei­nen Traum: „Es wä­re schön, wenn es uns ge­lingt, ein Ge­län­de zu pach­ten, auf dem wir blei­ben und auch in den Os­ter- und Herbst­fe­ri­en ein An­ge­bot ma­chen kön­nen.“ Vor­tei­le: Die Hüt­ten könn­ten dau­er­haft ste­hen­blei­ben, und auch die Ju­gend­treff-Be­su­cher könn­ten in den Fe­ri­en auf den Bau­spiel­platz. In die­sem Jahr muss­te der „Bae­gi“ um­zie­hen, weil auf dem bis­he­ri­gen Stand­ort die Sport­hal­le ge­baut wird.

Gu­te Nach­richt: Die Ak­ti­on Welt­kin­der­hil­fe Bad Hon­nef un­ter­stützt das Pro­jekt in die­sem Jahr mit 3000 Eu­ro. „Da­für sind wir sehr dank­bar“, sagt Neu­sel. Der Teil­neh­mer­bei­trag be­trägt wie schon beim er­sten „Bae­gi“ vor vier Jah­ren 40 Eu­ro pro Wo­che. „Der Be­trag soll auch nicht an­ge­ho­ben wer­den, da­mit wirk­lich al­le Kin­der mit­ma­chen kön­nen.“ oro

Quelle: General-Anzeiger-Bonn vom 22.07.2017

Last changed: 22.07.2017 at 05:43
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