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Sonntag, 30. April 2017

Traditionelles Maiansingen

19:00 Uhr, auf dem Ae­gi­diu­splatz

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Der Herr der Bäu­me geht

Forst­di­rek­tor Bernd Schwont­zen hat auch im Ru­hes­tand je­de Men­ge zu tun

Von Hans­jür­gen Mel­zer

Sie­ben­ge­bir­ge. Wenn Bernd Schwont­zen auf dem Oel­berg steht, fragt er sich häu­fig, in wel­che Rich­tung er zu­erst schau­en soll. Der über­wäl­ti­gen­de Blick vom höch­sten Berg des Sie­ben­ge­bir­ges und des Rhein-Sieg-Krei­ses ist da­bei für den lang­jäh­ri­gen Forst­di­rek­tor und stell­ver­tre­ten­den Lei­ter des Fors­tam­tes Rhein-Sieg-Erft nur ei­ner von gleich meh­re­ren Lie­blings­aus­sichts­plät­zen im Sie­ben­ge­bir­ge. „Ich weiß gar nicht, wel­che Aus­sicht am schöns­ten ist, die vom Oel­berg, vom Brei­berg, vom Him­me­rich oder vom Sten­zel­berg“, sagt er. Seit ei­ni­gen Wo­chen hat Schwont­zen im Prin­zip mehr Zeit, die­se Aus­sich­ten zu ge­nie­ßen. Nach­dem er Mit­te Fe­bru­ar sein 40-jäh­ri­ges Dienst­ju­bi­lä­um ge­fei­ert hat­te, ging er En­de des Mo­nats in den Ru­hes­tand. „Auch wenn ich beim Blick auf mei­nen Ter­min­ka­len­der zur­zeit noch kei­nen gro­ßen Un­ter­schied fests­tel­le“, sagt der 65-Jäh­ri­ge. Im­mer­hin ist er noch Vor­sit­zen­der der Fi­sche­rei­ge­nos­sen­schaft, sitzt im Land­schafts­bei­rat des Rhein-Sieg-Krei­ses und im Bei­rat des Ver­schö­ne­rungs­ver­eins für das Sie­ben­ge­bir­ge (VVS).

Vier Jahr­zehn­te ar­beit­ete er in der Lan­des­forst­ver­wal­tung für den Wald und sei­ne Be­su­cher. Nach dem Stu­di­um in Göt­tin­gen und der Re­fe­ren­dar­zeit in der Ei­fel er­hielt der jun­ge Mann aus Korn­eli­müns­ter bei Aa­chen 1980 die Wei­sung nach Sieg­burg. „Ich frag­te da­mals, wo das denn ist. Von je­mand aus der Ei­fel konn­ten Sie das nicht er­war­ten“, er­in­nert er sich.

Schwont­zen wur­de stell­ver­tre­ten­der Lei­ter des Fors­tamts Sieg­burg, fünf Jah­re spä­ter des­sen Chef. Nach­dem das Fors­tamt mit dem Fors­tamt Ei­torf zu­sam­men­ge­führt wur­de, über­nahm er auch dort die Lei­tung. Seit 2007, als vier Fors­täm­ter zum noch heu­te be­ste­hen­den Fors­tamt Rhein-Sieg-Erft fu­sio­nier­ten, war er dort stell­ver­tre­ten­der Fors­tamts­lei­ter.

Er hat sei­nen neu­en Ar­beits­platz nie be­reut. „Ich ha­be mich ins Sie­ben­ge­bir­ge ver­liebt“, sagt er. Nach ei­ner kur­zen Zeit in ei­ner Jung­ge­sel­len­woh­nung in Wind­ha­gen zog er 1984 nach Ae­gi­dien­berg, wo er bis heu­te wohnt und sich sehr wohl­fühlt. Das Sie­ben­ge­bir­ge mit sei­nen 33 Ber­gen, so Schwont­zen, ist für ihn et­was ganz Be­son­de­res. Was sich auch in sei­ner Ar­beit nie­der­ge­schla­gen ha­be. „Wir ha­ben hier im­mer auf ei­ne Ver­jün­gung des Wal­des statt auf Kahl­schlag ge­setzt“, sagt der Forst­di­rek­tor.

Es sei im­mer recht gut ge­lun­gen, das Holz so zu schla­gen, dass es sich in das Ge­fü­ge ein­pass­te. „Un­se­re Wald­ar­bei­ter wa­ren an­ge­wie­sen, den Be­su­chern zu er­klä­ren, was sie ma­chen, auch wenn uns das viel Ar­beit ge­kos­tet hat.“ Ein Spe­zi­fi­kum der Holz­wirt­schaft im Sie­ben­ge­bir­ge sei ge­we­sen, dass hier im März 1945 zwar nur kur­ze, da­für aber um­so hef­ti­ge­re Kriegs­hand­lun­gen statt­ge­fun­den hät­ten. Die­se hät­ten im Holz man­nig­fa­che Spu­ren zum Bei­spiel in Form von Gra­nat­split­tern hin­ter­las­sen und da­durch die Holz­qua­li­tät ent­wer­tet. Vie­le 120 oder 130 Jah­re al­te Bu­chen hät­ten zu­dem sehr vie­le Äs­te und sei­en da­durch zu­sätz­lich für die Holz­wirt­schaft we­nig at­trak­tiv. Man ließ sie da­her ste­hen. „Wir ha­ben da­her den Fo­kus da­rauf ge­legt, die Na­del­höl­zer zu ent­fer­nen und die Laub­höl­zer zu be­wah­ren“, be­rich­tet Schwont­zen.

Mit 30 Pro­zent Alt­holz­be­stän­den bot das Sie­ben­ge­bir­ge so ei­gent­lich idea­le Vor­aus­set­zun­gen für ei­nen Na­tio­nal­park. Und Schwont­zen wur­de beim Fors­tamt mit der Son­der­auf­ga­be be­traut, den Na­tio­nal­park auf­zu­bau­en. Den­noch schei­ter­te das Pro­jekt vor ei­ni­gen Jah­ren an den Bürg­ern. „Da­mals wur­den von den Geg­nern fal­sche Ge­rüch­te ge­streut“, sagt er. Für ihn wä­re der ein­zi­ge Na­tio­nal­park in ei­ner dicht be­sie­del­ten Re­gi­on hin­ge­gen ein gro­ßer Ge­winn ge­we­sen. „Man hät­te kein ide­al­eres An­ge­bot zum Bei­spiel für Schu­len ma­chen kön­nen. Die Kin­der hät­ten dort zu Fuß hin­ge­hen kön­nen. Und die Lan­des­re­gie­rung war be­reit, 20 Mil­lio­nen Eu­ro zu in­ves­tie­ren.“

Das Wild­nis­ge­biet, das der VVS nach dem Schei­tern der Na­tio­nal­park-Plä­ne in Ei­gen­re­gie auf sei­nem Ge­biet vor sie­ben Jah­ren aus­ge­wie­sen hat, ist für Schwont­zen ein „ganz her­vor­ra­gen­des Pro­jekt“. In den Be­son­der­hei­ten des Wal­des sieht er ne­ben den schö­nen Aus­sich­ten das Ka­pi­tal sei­nes ge­lieb­ten Sie­ben­ge­bir­ges. „Die drei bis fünf Mil­lio­nen Be­su­cher pro Jahr kom­men auch we­gen der schö­nen Bäu­me“, sagt er. Über 80 Tier- und Pflan­zen­ar­ten, die auf der Ro­ten Lis­te ste­hen oder vom Aus­ster­ben be­droht sind, und über 730 Blü­ten- und Pflan­zen­ar­ten auf nur 42 Qua­drat­ki­lo­me­tern sei­en das Ka­pi­tal die­ses Land­strichs, und si­cher nicht die Holz­wirt­schaft.

Aber Schwont­zen liebt nicht nur das Sie­ben­ge­bir­ge. Auch das Na­tur­schutz­ge­biet Ga­gels­trauch/ Stall­ber­ger Tei­che bei Sieg­burg ist ihm be­son­ders ans Herz ge­wach­sen. Im Staats­forst „Aul­gas­se“ zwi­schen Sieg­burg und Loh­mar ge­dei­hen vom Aus­ster­ben be­droh­te Pflan­zen­ar­ten. Dort hat der Ga­gels­trauch als Re­likt aus der Nord­ischen Eis­zeit sein süd­lich­stes Ver­brei­tungs­ge­biet in Deutsch­land ge­fun­den. „Es geht die Le­gen­de, dass die Mön­che auf dem Mi­cha­els­berg den Strauch mit­ge­bracht ha­ben“, sagt Schwont­zen.

Zu sei­nem Ab­schied im Fors­tamt be­kam der Forst­di­rek­tor im Üb­ri­gen ein wirk­lich statt­li­ches Mas­kott­chen ge­schenkt, das sein Kol­le­ge Jörg Fill­mann ei­gen­hän­dig aus ei­ner Doug­la­sie für ihn ge­schnitzt hat­te – ei­ne fast mann­ho­he Eu­le.

Quelle: General-Anzeiger-Bonn vom 18.03.2017

Last changed: 18.03.2017 at 06:40
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