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Männer-Gesangverein „Liederkranz 1875“ Aegidienberg e.V.
Bunter Abend
Samstag, den 27. Januar 2018 um 19.15 Uhr
im Bürgerhaus in Aegidienberg

 
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Die meis­ten fah­ren vor­bei

GA-Mit­ar­bei­ter Ale­xan­der Her­tel tes­tet das Hon­ne­fer Pro­jekt Mit­fahr­bank

Von Ale­xan­der Her­tel

Bad Hon­nef. Drei Grad zeigt das Ther­mo­me­ter an, der Him­mel ist wol­ken­ver­han­gen. We­nigs­tens reg­net es nicht, den­ke ich, als ich mich auf die Mit­fahr­bank in Bad Hon­nef set­ze. Seit et­was mehr als drei Mo­na­ten gibt es die Mög­lich­keit, qua­si per An­hal­ter von die­sem Punkt an der Lin­zer Stra­ße na­he der Hoch­schu­le in den Berg­be­reich der Stadt zu fah­ren. Auch in Ae­gi­dien­berg ist an der E­cke Ae­gi­dien­ber­ger Stra­ße/Köh­lers­tra­ße ei­ne sol­che Bank in­stal­liert wor­den. Wer dort sitzt, sig­na­li­siert: Ich möch­te in Rich­tung Tal mit­ge­nom­men wer­den.

Ich dre­he das Schild auf „Ae­gi­dien­berg“ und war­te. Schon nach we­ni­gen Au­tos setzt ein Fahr­zeug we­ni­ge Me­ter vor der Bank den Blin­ker. Doch die Hoff­nung auf die schnel­le Mit­fahr­ge­le­gen­heit ver­pufft schnell. Der Mann am Steu­er will nicht an­hal­ten, son­dern – so wie vie­le, die noch fol­gen wer­den – in die Stra­ße ab­bie­gen, die et­wa 20 Me­ter hin­ter der Bank nach Ae­gi­dien­berg und As­bach führt. Ei­ni­ge Au­to­fah­rer gu­cken zwar in mei­ne Rich­tung, doch sie fah­ren vor­bei.

Das än­dert sich nach ge­nau 13 Mi­nu­ten, als wie­der ein Blin­ker ge­setzt wird und das Au­to tat­säch­lich vor der Bank hält. „Soll ich Sie mit­neh­men?“, fragt die Fahr­erin. Ich be­ja­he und stei­ge ein. „Ich ha­be hier noch nie je­man­den sit­zen se­hen“, er­zählt Ka­rin Schmitz, Mut­ter von Zwil­lin­gen. Sie ist ge­ra­de auf dem Weg von der Krab­bel­grup­pe nach Hau­se nach Rott­bit­ze. Min­des­tens ein­mal in der Wo­che fah­re sie an der Mit­fahr­er­bank an der Lin­zer Stra­ße vor­bei.

Viel ge­nutzt wird das An­ge­bot je­doch nicht. Auch die Stadt er­in­ner­te an die Bank und ap­pel­lier­te an Au­to­fah­rer, „die Au­gen of­fen zu hal­ten“ und War­ten­de mit­zu­neh­men. Dass kaum ei­ner an­hält, scheint aber nur die ei­ne Sei­te der Me­dail­le zu sein. Es scheint auch nur sel­ten je­mand auf ei­ne Mit­fahr­ge­le­gen­heit zu war­ten.

„Das Pro­blem ist, dass man die Leu­te nicht kennt“, glaubt Schmitz. An­ders könn­te das ih­rer Mei­nung nach in klei­nen Dör­fern aus­se­hen, wo je­der je­den kennt. „Wenn die Or­te klei­ner wä­ren und fa­mi­liä­rer, dann klappt das viel­leicht.“ Doch klei­ne Dör­fer sind Bad Hon­nef und Ae­gi­dien­berg nicht. Ein an­de­rer Grund, wa­rum die Mit­fahr­bank ih­rem Na­men noch nicht ge­recht wird: „Es kos­tet schon Über­win­dung, je­man­den mit­zu­neh­men oder bei je­man­dem ein­zu­stei­gen“, meint die Mut­ter und ver­rät, dass sie selbst auch nicht je­den mit­neh­men wür­de. Ge­ne­rell fin­det sie die Idee je­doch „to­tal gut“.

Her­mann-Jo­sef Hin­sen­kamp vom Ver­ein „Haupt­sa­che Fa­mi­lie – Bünd­nis für Bad Hon­nef“, der die Kos­ten für die Bän­ke über­nahm, sieht „ei­ne ge­wis­se Re­so­nanz“ auf das An­ge­bot. „Aber es ist nicht so viel, wie wir uns das vor­ge­stellt ha­ben“, gibt er zu.

In Ae­gi­dien­berg an­ge­kom­men, steu­e­re ich die dor­ti­ge Mit­fahr­bank an, klap­pe das Schild mit mei­nem Ziel­wunsch auf und war­te. Schon nach we­ni­gen Mi­nu­ten ist klar: Hier fah­ren deut­lich we­ni­ger Au­tos als un­ten an der Lin­zer Stra­ße. Ich be­fürch­te, dass das die War­te­zeit er­heb­lich ver­län­gern könn­te, und su­che schon mal nach ei­ner Bus­ver­bin­dung. Für den Not­fall, man weiß ja nie. Nach ei­ner Vier­tel­stun­de kommt ein Mann und setzt sich eben­falls auf die Bank. Er woh­ne in der Nä­he, sagt er. Ge­se­hen ha­be er auf die­ser Bank noch nie­man­den. Das macht mir we­nig Hoff­nung. „Sie kön­nen hier bis zum Abend war­ten. Da kommt kei­ner“, lau­tet die düs­te­re Prog­no­se des Man­nes, der an­onym blei­ben möch­te. Die Tem­pe­ra­tu­ren sind im­mer noch win­ter­lich.

Doch es kommt an­ders: Noch ei­ne Vier­tel­stun­de spä­ter hält ein Au­to. San­dra Voss öff­net mir die Bei­fahr­er­tür und nimmt mich mit nach Bad Hon­nef. „Ich ha­be mich ge­freut, dass das je­mand in An­spruch nimmt“, sagt die Rhön­dorf­erin. Zwei­mal am Tag kom­me sie dort vor­bei, aber bis­lang ha­be sie noch nie­mand dort sit­zen se­hen. „Ei­ne gu­te Hil­fe“ nennt sie das An­ge­bot, sagt aber auch: „Wenn es dun­kel ist, weiß ich nicht, ob ich je­man­den mit­neh­men wür­de.“ Und fügt scherz­haft hin­zu: „Man kennt das ja aus Kri­mis.“

Im Tal in Bad Hon­nef lässt sie mich aus­stei­gen. Für mich en­det hier nicht nur der Mit­fahr­bank-Test, son­dern auch die letz­te von drei in­te­res­san­ten Be­geg­nun­gen. Die­se ha­ben ge­zeigt, dass die Hon­ne­fer dem Pro­jekt ge­gen­über durch­aus auf­ge­schlos­sen sind. Nun feh­len nur noch die Men­schen, die das An­ge­bot an­neh­men. Auch Her­mann-Jo­sef Hin­sen­kamp er­mun­tert noch ein­mal da­zu, die Mit­fahr­bän­ke zu nut­zen und War­ten­de auch mit­zu­neh­men.

Wer sich auf die Bän­ke setzt, braucht je­den­falls zwei Din­ge: Ge­duld und bei den ak­tu­el­len Tem­pe­ra­tu­ren war­me Klei­dung.

Mit­fahr­ge­le­gen­heit an zen­tra­len Punk­ten

Die Idee zur Mit­fahr­bank in Bad Hon­nef hat­te Klaus-Jür­gen Hüt­ten von „Haupt­sa­che Fa­mi­lie - Bünd­nis für Bad Hon­nef“ . Der Ver­ein hat auch die Kos­ten über­nom­men. Nach dem Stadt­rats­be­schluss stimm­te die Stadt die Stand­or­te in Bad Hon­nef (Lin­zer Stra­ße) und Ae­gi­dien­berg (Köh­lers­tra­ße) mit dem Lan­des­be­trieb Stra­ßen­bau ab. Dort soll das An­hal­ten und Zu­stei­gen oh­ne Ge­fähr­dung des flie­ßen­den Ver­kehrs mög­lich sein, und auch ÖPNV-Hal­tes­tel­len sind weit ge­nug ent­fernt. Ein­ge­rich­tet wur­den die Mit­fahr­bän­ke im Sep­tem­ber.

Quelle: General-Anzeiger-Bonn vom 12.12.2017

Last changed: 12.12.2017 at 06:15
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