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Dot­zen und schnör­zen

Von GA-Redakteurin Katrin Janßen
 

Wahr­schein­lich ist es kein Zu­fall, dass sich aus­ge­rech­net im Köln-Bon­ner Raum auch an Sankt Mar­tin ziem­lich viel um Ka­mel­le dreht. Tat­säch­lich, so las­sen For­schungs­er­geb­nis­se ver­mu­ten, ist der Be­griff schnör­zen ei­ne ur­bönn­sche Er­fin­dung. Ei­ne, die sich auf den ge­sam­ten Rhein-Sieg-Kreis aus­ge­brei­tet hat. Auf den gan­zen Rhein-Sieg-Kreis? Nein! Ei­ne von un­beugs­amen Sie­ben­ge­bir­glern be­völ­ker­te Re­gi­on hört nicht auf, dem Schnör­zen Wi­ders­tand zu leis­ten. Denn im Sie­ben­ge­bir­ge und in Tei­len des Krei­ses Neu­wied wird ge­dotzt.

Nun könn­te man an­neh­men, dass es sich da­bei um den­sel­ben Brauch un­ter ei­nem an­de­ren Na­men han­delt – doch das stimmt nicht so ganz. Denn wäh­rend beim Schnör­zen (der Be­griff er­in­nert kei­nes­wegs zu­fäl­lig ans Schnor­ren) die Kin­der meist nach dem Mar­tins­zug mit ih­ren La­ter­nen von Haus zu Haus zie­hen, Lie­der sin­gen und sich als Lohn Sü­ßig­kei­ten, Obst oder an­de­re Klei­nig­kei­ten er­hof­fen, sind die Dotz­kin­der be­reits vor den Zü­gen im Ein­satz.

Das hat da­mit zu tun, dass ur­sprüng­lich beim Dot­zen Ma­te­ri­al für das Mar­tins­feu­er ge­sam­melt wur­de. Im tra­di­tio­nel­len Dotz­lied heißt es des­halb auch „...jevv m'r ne aa­le Mä­tes­korv...“. Heu­te al­ler­dings sam­meln die Kin­der kein Brenn­ma­te­ri­al mehr, son­dern Geld für die We­cken oder für ei­nen gu­ten Zweck – ei­ne klei­ne „Weg­zeh­rung“ leh­nen sie aber auch nicht ab. Man­cher­orts ha­ben die Kin­der al­ler­dings längst die Glo­ba­li­sie­rung für sich ent­deckt: Sie ge­hen dot­zen – und schnör­zen.

Quelle: General-Anzeiger-Bonn vom 08.11.2017
Last changed: 08.11.2017 at 06:09
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