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Experte rät zu intensiver Jagd

Wachsende Wildschwein-Population und die Afrikanische Schweinepest sind Themen beim Hegering Siebengebirge

Von Roswitha Oschmann

SIEBENGEBIRGE. Die Wildschweinplage geht um, und erst im Herbst hatten die Jäger vom Hegering Siebengebirge 77 Wildschweine erlegt. Auch bei der Jahreshauptversammlung im Margarethenkreuz war die Überpopulation der Borstentiere ein Thema der Vereinigung der Jäger aus Königswinter und Bad Honnef. Mit  Wildmeister Peter Markett referierte dazu ein Experte. Der Vorsitzende des Landesverbandes der Berufsjäger in Nordrhein-Westfalen beantwortete die Frage: „Wie können wir Schwarzwild jagdhandwerklich effizient bejagen?“.

Klimaveränderung trägt bei

Dies nicht nur, weil die Wildschweine immer häufiger Felder und Gärten durchwühlen, sondern auch wegen der Afrikanischen Schweinepest, die bereits bis Polen und Tschechien vorgerückt ist. Markett: „Leider hat dieses Thema durch die Schweinepest längst an Sachlichkeit verloren.“ Jagen sei aber keine Schädlingsbekämpfung.

Dass es überhaupt so viel Schwarzwild gibt, liegt seiner Meinung nach an der Klimaveränderung. Eichen trügen alle zwei, drei Jahre Vollmast, also besonders viele Früchte. „Es gibt fünf Tonnen Eicheln pro Hektar – das ist eine irre Menge.“  Weitere Faktoren: der Anbau landwirtschaftlicher Kulturen wie Mais und die geringe oder falsche Bejagung. Durch die milden Winter gebe es zudem kaum natürliche Frischlingsverluste. 85 Prozent der weiblichen Frischlinge würden bereits im ersten Lebensjahr geschlechtsreif und bekämen im 13. bis 15. Lebensmonat Nachwuchs. Dies gelte es zu verhindern. Auch Frischlinge zwischen zwei und drei Monaten müssten geschossen werden. Lag früher die Hauptgeburtszeit zwischen März und Mai, gebe es heute nahezu ganzjährig Junge.

Eine Gefahr der großen Wildschwein-Population: Das Virus der Afrikanischen Schweinepest (ASP) wird schneller verteilt. Die ASP könne jederzeit im Siebengebirge ankommen – es genüge ein infiziertes Stück Rohwurst aus der Seuchenregion, das ein Fernfahrer auf einem Rastplatz wegwirft und von einem Wildschwein gefressen wird. Infizierte Tiere verenden sehr schnell, so der Fachmann. Das Virus stoppe auch nicht vor dem Hausschwein, könne im Seuchenfall in Ställe eingeschleppt werden.

Leitbachen bleiben geschützt

Peter Markett plädierte für den „tierschutzgerechten Auswahlabschuss unter Berücksichtigung der Sozialstruktur des Schwarzwildes“. Mutterschutz müsse ein hohes Gut bleiben – auch unter ASP-Gesichtspunkten. Es wäre fatal, Leitbachen einer Rotte zu schießen, denn dann würden Frischlinge führungslos wandern.

Zur Versammlung gekommen waren auch Kreisveterinär Klaus Mann, Pfarrer Herbert Breuer und Bürgermeister Peter Wirtz, der den Hegering um Leiter Heinz Jüngst würdigte: „Sie hegen das Wild. Und Sie rücken auch zu Nachtzeiten aus, um sich um angefahrene Tiere zu kümmern.“ Der Hegering Siebengebirge hat zurzeit 266 Mitglieder, darunter 20 Prozent Frauen.

Quelle: General-Anzeiger-Bonn vom 15.03.2018

Last changed: 15.03.2018 at 06:13
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