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Luther-Brot und Baklava

Das Aegidienberger Café International feierte nach dem Ramadan ein Sommerfest

AEGIDIENBERG. Im Café International bog sich fast der Tisch unter den vielen Leckerbissen: Luther-Brot lag da neben orientalischem Gebäck, herzhafte Salate standen neben Käse. Viele Sommerfest-Gäste hatten sich in der heimischen Küche ins Zeug gelegt, um die Tafel mit Köstlichkeiten reichlich zu decken.

Mehrere Wochen lang war das Café International im Ramadan geschlossen. Während der Fastenzeit der Muslime fielen die Treffen im evangelischen Gemeindezentrum aus. Und so hatte das Organisationsteam die Idee, den neuen Start mit einem Fest am Abend zu beginnen. Mehr als hundert Besucher – neben Flüchtlingen etliche Gemeindemitglieder und Mitglieder des Arbeitskreises Asyl – waren gekommen, um miteinander zu reden, zu speisen – und später auch zu tanzen.

Auch Vizebürgermeister Klaus Munk war dabei. „Es ist großartig, was aus diesem Café International geworden ist“, lobte er. „Hier passt alles zusammen, auch Nudelsalat und Baklava“, scherzte der Vertreter der Stadt, der den Organisatoren für ihren Einsatz dankte und allen Besuchern einen wunderschönen Abend wünschte. Pfarrer Stefan Bergner von der Evangelischen Kirchengemeinde Aegidienberg, der den Anstoß für das Café gegeben hatte, erinnerte an die Eröffnung am 2. Oktober 2015. Das Zusammentreffen von Konfirmanden mit syrischen Flüchtlingsfamilien war die Initialzündung für die Café-Idee. „Daraus ist eine große Familie entstanden. Das macht mich glücklich und demütig“, sagte er.

Ohne Übersetzerin Hevin Heelemann wären jedoch die Arbeit der Aegidienberger Flüchtlingshilfe und die Organisation des Cafés nicht möglich gewesen. Er überreichte ihr einen Blumenstrauß und dankte ihr für den Einsatz. Die junge Frau, die aus Syrien stammt, konnte mit ihrem Talent manche sprachliche Barriere niederreißen.   Ein Kernteam von zehn Leuten kümmert sich um die Aktivitäten, darunter Altbürgermeisterin Wally Feiden. Sie sorgte für einen regelrechten Jubelsturm bei einigen Pänz, als sie den Besuch der Aranka mit den Kindern ankündigte. Denn: Das „Puppentheater am Drachenfels“ gastierte im Café International mit dem Stück „Der Schatz der Aranka“ und machte die Kinder neugierig. Nun werden die Mädchen und Jungen auf dem Aalschokker den Schatz besichtigen.

Stefan Bergner freute sich, dass viele Familien das Café besuchen. „Hier geht es um die reine Begegnung, das ist keine Arbeits- oder Wohnungsvermittlung“, unterstrich der Pfarrer. Zum Ende des Fastenmonats sagte er: „Dieser Monat trägt dazu bei zu entdecken, wie wertvoll das Leben ist, es ist ein Monat der Einkehr.“ Das gelte nicht nur für Muslime, sondern ebenso für die Fastenzeit der Christen. Dafür erntete er spontanen Applaus.

Besonders erfreut zeigte er sich, weil mittlerweile auch vier Syrer und Iraker das Organisationsteam verstärken und somit Flüchtlinge für Flüchtlinge wirken. Wie Mohammed Ahmed Khaja. „Ich bin bei Teamsitzungen dabei, überlege mit, was wir machen können und helfe, den Saal herzurichten“, erzählte der 29-jährige Syrer. Ahmed Alfihmed (25) aus dem Irak: „Ich stelle die Stühle mit auf, wische den Boden. Wenn Hilfe gebraucht wird, bin ich dabei.“ Er hat mittlerweile das B 1-Sprachzertifikat und möchte zahnmedizinischer Fachangestellter werden.

Überhaupt sind die Flüchtlinge stolz auf ihre Leistungen. Pfarrer Bergner: „Sie kommen und zeigen mir ihre Zeugnisse.“ Beim ersten Café-Nachmittag hatten sie sich noch mit Händen und Füßen verständigt und mühsam auf einer Landkarte ihre Heimatorte gezeigt.   oro

Quelle: General-Anzeiger-Bonn vom 05.07.2017

Last changed: 05.07.2017 at 05:22
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