skip to content
  Sie sind hier: Home
Home >>

Rei­sen im Rhyth­mus der Pfer­de

An­ne und Heinz-Pe­ter Schul­te durch­que­ren Deutsch­land mit dem Plan­wa­gen

Von Ele­na Se­be­ning

Ae­gi­dien­berg. Vier Pfer­de, ein Plan­wa­gen und ei­ne drei­wö­chi­ge Rei­se Rich­tung Nord­see – An­ne und Heinz-Pe­ter Schul­te leg­ten auf ih­rer Wan­der­tour rund 700 Ki­lo­me­ter zu­rück. Be­reits zum sech­sten Mal mach­ten sie sich zu ei­ner sol­chen Tour auf, al­ler­dings nicht von Ae­gi­dien­berg aus. Erst hin­ter dem Ruhr­ge­biet ging es mit dem Auf­schnü­ren und An­span­nen der Pfer­de an das Vier­er­ge­spann los.

„Der Ver­kehr vor­her ist ein­fach zu ex­trem, des­we­gen ha­ben wir uns ei­nen ent­spre­chen­den Start­punkt aus­ge­sucht und die Pfer­de dort­hin trans­por­tiert“, so die 63-Jäh­ri­ge. Be­reits vor der ei­gent­li­chen Rei­se fährt das Ehe­paar die je­wei­li­ge Rou­te mit dem Au­to ab und über­prüft, ob die Plä­ne rea­li­sier­bar sind.

Rich­tung Salz­ber­gen ging es erst am Rhein, spä­ter an der Ems ent­lang gen Nor­den. Ein Highl­ight der Rei­se war für bei­de Pa­pen­burg: „Die In­nens­tadt war wun­der­schön und für den mo­to­ri­sier­ten Ver­kehr ge­sperrt. Welch Glück, dass wir al­so durch die In­nens­tadt fah­ren konn­ten“, er­zählt An­ne Schul­te und schwelgt da­bei in den fri­schen Er­in­ne­run­gen an die Rei­se. Un­ter­wegs führt sie Ta­ge­buch, zeich­net Stre­cke, Wet­ter, freu­di­ge Er­eig­nis­se und Be­geg­nun­gen auf. Denn da sind sich bei­de ei­nig: „Das Schöns­te an der Rei­se ist mit Ab­stand die Gast­freund­schaft der Men­schen, auf die wir tref­fen.“ Be­vor es auf die gro­ßen Tou­ren geht, wis­sen sie nie, wann sie wo halt­ma­chen. Völ­lig im Ein­klang mit ih­ren Pfer­den und dem Rhyth­mus der Tie­re wird dann ei­ne Pau­se ein­ge­legt, wenn es eben nö­tig ist.

Dem­ent­spre­chend bu­chen oder pla­nen sie kei­ne Nacht­quar­tie­re im Vor­aus. Ent­we­der sie sto­ßen zu­fäl­lig auf ei­nen Bau­ern­hof oder sie näch­ti­gen im selbst ge­bau­ten Plan­wa­gen. Der 66-jäh­ri­ge ehe­ma­li­ge Schlos­ser hat­te be­reits 1998 da­mit be­gon­nen, den Wa­gen zu bau­en, und mit der Zeit wur­de er im­mer wohn­li­cher. Kühl­schrank, ein klei­nes Koch­feld, Licht und ei­ne Schlaf­mög­lich­keit – es fehlt an nichts. „Ei­gent­lich ist es ein Wohn­mo­bil, bloß oh­ne Ei­chen­mö­bel“, sagt Heinz-Pe­ter Schul­te und schmun­zelt.

Im ost­frie­si­schen Au­rich be­such­te das Ehe­paar ei­nen Freund, der ei­gent­lich der Aus­lö­ser für die Rei­se war, der Rest der Rou­te er­gab sich dann mit der Zeit. „Es ist ein­fach toll, mit ei­ner ge­mäch­li­chen Ge­schwin­dig­keit durch wun­der­schö­ne Ort­schaf­ten zu fah­ren, und dank der sechs Stun­den­ki­lo­me­ter, mit de­nen wir durch­schnitt­lich rei­sen, kann man al­les ge­nie­ßen“, schwärmt An­ne Schul­te. Rund 35 Ki­lo­me­ter schaf­fen sie mit Pau­sen durch­schnitt­lich an ei­nem Tag.

Ein wei­te­rer Grund für die ge­wähl­te Stre­cke: „Da wir schon aus Ös­ter­reich und der Schweiz vier­spän­nig nach Hau­se ge­fah­ren sind, fehl­te uns ge­nau die­se Stre­cke, dann ha­ben wir die kom­plet­te Nord-Süd-Ach­se mit un­se­ren Pfer­den durch­fah­ren.“ Ab Au­rich ging es mit dem Freund als Gui­de an die Nord­see, über­nach­tet ha­ben die Plan­wa­gen­fah­rer mit Blick auf das Wat­ten­meer. Zu­rück über Au­rich und Pa­pen­burg ging es Rich­tung Del­den in den Nie­der­lan­den.

Bei der dies­jäh­ri­gen Tour war das Wet­ter al­ler­dings nicht ge­ra­de för­der­lich fürs Vor­an­kom­men. Im­mer wie­der muss­ten sie sich mit ih­ren Pfer­den an Bau­ern­hö­fen un­ter­stel­len und war­ten, bis sie wei­ter­fah­ren konn­ten. Bei ei­nem Wen­de­ma­nö­ver ver­letz­te sich au­ßer­dem ei­nes der Pfer­de am Huf – es lahmt­e und konn­te die Rei­se selbst nach der Tier­arzt­be­hand­lung nicht fort­set­zen.

Ein paar Ta­ge frü­her als ge­plant ver­lu­den die Schul­tes al­so ih­re Voll­blü­ter und mach­ten sich auf den Weg zu­rück Rich­tung Bad Hon­nef. Mehr als 10 000 Ki­lo­me­ter ha­ben die sechs be­reits auf den gro­ßen Wan­der­tou­ren zu­rück­ge­legt. Doch ei­nes ist dem Ehe­paar be­son­ders wich­tig und be­wusst: „Die Pfer­de sind Tie­re, kei­ne Sport­ge­rä­te, und wir sind ge­gen­sei­tig vo­nei­nan­der ab­hän­gig.“ Im Au­gust kom­men­den Jah­res geht es wie­der los, hin­ter Aschaf­fen­burg möch­ten sie vier­spän­nig fluss­auf­wärts bis in den Hoch­schwarz­wald.

Quelle: General-Anzeiger-Bonn vom 30.09.2017

Last changed: 02.10.2017 at 05:17
Back