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Tage der Selbstständigkeit sind gezählt

Stadtsparkasse Bad Honnef ist noch eigenständig, plant aber die Fusion mit der Kreissparkasse Köln

Von Claudia Sülzen

Bad Honnef. Es war mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit der vorletzte Termin seiner Art: Denn wenn der Vorstand der Stadtsparkasse Anfang 2019 die Bilanz 2018 vorstellen wird, dürfte die Eigenständigkeit als städtisches Kreditinstitut Vergangenheit sein. Wie berichtet, wird seit Dezember über eine Fusion mit der Kreissparkasse Köln verhandelt. Die Gespräche seien auf „einem guten und konstruktiven Weg“, so Vorstandschefin Dorit Schlüter am Montag bei der Vorstellung der Bilanz 2017. Deren Zahlen seien „noch zufriedenstellend“. Zugleich belege die andauernde Tendenz nach unten, dass ein kleines Kreditinstitut wie die Stadtsparkasse angesichts der anhaltenden Niedrigzinsphase und steigender regulatorischer Anforderungen – und damit Kosten – alleine nicht überlebensfähig sei.

Bilanz: „Vom Grundsatz her haben wir es plan- und erwartungsgemäß mit sinkenden Zahlen zu tun. Kleine Kreditinstitute sind immer mehr unter Druck. Die Zahlen sind also keineswegs überraschend, teils sogar zufriedenstellender als prognostiziert“, erläuterte Schlüter, dass allem voran die niedrigen Zinsen die Margen drückten. Längerfristige Spareinlagen und Sparkassenbriefe gingen entsprechend weiter zurück. Beim Zinsniveau sei das Ende der Fahnenstange nicht erreicht: Auch 2018 sei nicht damit zu rechnen, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Niedrigzinspolitik beendet. Hinzu komme in Bad Honnef ein Umfeld, das Wachstum nur begrenzt ermögliche. Schlüter: „Bad Honnef ist kein klassischer Gewerbestandort“, die Potenziale seien nahezu ausgereizt. Dasselbe gelte beim Bauland. Wer von außerhalb zuziehe und hier Eigentum erwerbe, finanziere zudem nicht notwendigerweise beim örtlichen Kreditinstitut, sondern nutze länger gewachsene Verbindungen zu anderen Kreditinstituten.

Fusion: Ziel ist eine Fusion der Stadtsparkasse Bad Honnef mit der Kreissparkasse Köln zum 1. Januar 2019. Frei nach dem Motto: Verhandeln, solange man noch so stark ist, dass man die eigenen Positionen durchsetzen kann. Damit steht das letzte örtliche Kreditinstitut im Siebengebirge vor der Fusion. Ende des Jahres hatten Vorstand und Verwaltungsrat über den Start der Sondierung informiert. Diese bräuchten noch Zeit, um alle „inhaltlichen Aspekte“ zu klären, so Schlüter und ihr Vorstandskollege Mathias Alfs. Dazu gehört auch, wie es für die 93 Mitarbeiter weiter geht. „Natürlich ist es ein wichtiges Thema bei den Gesprächen, dass die Arbeitsplätze erhalten bleiben“, hatte Schlüter im Dezember betont; entsprechende Signale der Kölner gebe es bereits.

Personal: Wenn im abgelaufenen Geschäftsjahr die Sach- und Personalkosten trotz Tarifsteigerungen um 300 000 Euro gesenkt werden konnten, hat dies zugleich mit einem weiteren Stellenabbau zu tun – allerdings, so Schlüter, alleine aufgrund „natürlicher Fluktuation“ wie das altersbedingte Ausscheiden von Mitarbeitern. Hingegen hätten 2017 drei vormalige Auszubildende übernommen werden können. „Und wir hätten sehr gerne neue Auszubildende eingestellt“, so Schlüter. Aber zum einen hätten 2017 keine ausreichend qualifizierten Bewerber gefunden werden können. Zum anderen habe der Bankensektor offenbar bei jungen Menschen das Vertrauen eingebüßt, ein zukunftsfester Arbeitgeber zu sein. Schlüter: „Die Arbeitsplätze in der Kreditwirtschaft wandeln sich, aber sie sind modern und nach wie vor sehr attraktiv.“ Entsprechend bestehe der Wunsch und die Notwendigkeit, auch weiterhin junge, motivierte Mitarbeiter zu finden.

Betriebsergebnis: Was die puren Zahlen angeht, so fiel 2017 gegenüber dem Vorjahr erneut ab. So reduzierte sich das Betriebsergebnis um satte 15,7 Prozent auf zwei Millionen Euro, der Jahresüberschuss sank von 467 900 Euro in 2016 auf 415 900 Euro. Das Geschäftsvolumen der Stadtsparkasse sank ebenfalls – um 3,4 Prozent von 466,4 Millionen Euro auf 455,3 Millionen Euro. „Als Sparkasse mit hohen Kundeneinlagen spüren wir die Auswirkungen des Niedrigzinsumfeldes immer deutlicher“, nannte Schlüter einen Grund. Auch die Kundeneinlagen gingen zurück, um 4,7 Prozent auf rund 378 Millionen Euro, die auf Konten der Sparkasse angelegt sind. Besonderheit hier indes, so Schlüter und Alfs: Aufgelöst wurden vor allem erst in jüngerer Zeit transferierte Einlagen, die anderen Instituten aufgrund von Negativzinsen zuvor entzogen worden waren. In diesem Umfeld sah sich die Stadtsparkasse gezwungen, bei neu zugegangenen Einlagen ab einer Höhe von zwei Millionen Euro ebenfalls Negativzinsen etwa der EZB an die Kunden weiterzugeben – kostenneutral, wie es hieß, denn die Sparkasse verdiene daran nichts. Daraufhin seien Einlagenzuwächse aus der jüngeren Vergangenheit teils wieder abgeflossen.

Kreditgeschäft: Aufgrund der Vorjahre mit einem prognostizierten Minus von drei Prozent schon vorsichtig geplant hatte der Vorstand das Kreditvolumen – fast eine Punktlandung, wie sich zeigte. Kredite in Höhe von 281 Millionen Euro wurden 2017 vergeben; 2016 waren es noch 289 Millionen Euro gewesen, das entspricht einem Minus von 2,7 Prozent. Der Schwerpunkt lag erneut bei Privatkrediten mit gut 58 Prozent. Die gewerbliche Kreditnachfrage hingegen stagnierte. Stagnation hieß das Stichwort auch bei den Immobilienfinanzierungen. Das Volumen lag bei 23,2 Millionen Euro, 243 Bauherren und Käufer wurden bei Kauf und/oder Renovierung unterstützt. Grundsätzlich gilt weiter, dass „die Nachfrage an Immobilien weit größer ist als das Angebot“, so Alfs. Übrigens seien Bausparverträge wieder gefragt, sicherten sich Kunden damit günstige Zinsen auch in der Zukunft. 2017 konnten 1,4 Millionen Euro Bausparsumme an die LBS vermittelt werden. Dazu kamen Finanzierungsverträge über 5,1 Millionen Euro.

Versicherungen: Zufriedenstellend sei das Versicherungsgeschäft, obwohl die Zahl der Abschlüsse bei Altersvorsorgeprodukten mit 171 deutlich hinter der des Vorjahres lag (268). Grund: Aufgrund der niedrigen Zinsen seien viele Kunden skeptisch gegenüber langfristigen Anlagen. Auch bei Unfall- und Krankenversicherungen ging die Zahl zurück (105 zu 179). Sachversicherungen hingegen lagen fast auf Vorjahresniveau (305 zu 325). Gut sah es aus beim Provisionsgeschäft, ein Beleg für das Vertrauen der Kunden, so Alfs und Schlüter.

Soziales Engagement: Vereine, Organisationen und Initiativen in Bad Honnef wurden 2017 mit insgesamt 100 000 Euro an Spenden und Sponsoring unterstützt; hinzu kam die nicht finanzielle Unterstützung der Bürgerstiftung. „Wir verstehen dies als Teil unseres Auftrages“, untermauerte Schlüter.

Quelle: General-Anzeiger-Bonn vom 28.03.2018

Last changed: 28.03.2018 at 05:16
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