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Wochenendplatz am Scheideweg

Von Clau­dia Sül­zen

Rott­bit­ze. Die er­sten Wei­chen sind ge­stellt: Bad Hon­nefs Kom­mu­nal­po­li­ti­ker ha­ben in zwei Gre­mien da­für ge­stimmt, auf dem Ge­län­de des ehe­ma­li­gen Wo­che­nend­plat­zes in Rott­bit­ze Bau­land aus­zu­wei­sen. Die Vo­ten im Fach­aus­schuss für Stadt­ent­wi­cklung, Pla­nen und Bau­en so­wie im Be­zirks­aus­schuss Ae­gi­dien­berg wa­ren je­weils ein­stim­mig. Wie be­rich­tet, soll auf dem städ­ti­schen Grund­stück ein Wohn­ge­biet rea­li­siert wer­den. Für die noch ver­blie­be­nen rund 25 Ein­zel­päch­ter be­deu­tet das den bal­di­gen Ab­schied vom frü­he­ren „Fe­ri­en­cen­ter Rott­bit­ze“.

Die Stadt­ver­wal­tung teil­te mit, dass al­le Pacht­ver­trä­ge bis En­de 2017 ge­kün­digt sei­en. Für die Päch­ter sei man zu­gleich um so­zi­al­ver­träg­li­che Lö­sun­gen be­müht. „Ver­trie­ben wird nie­mand“, sag­te Fa­bia­no Pin­to, Lei­ter des Ge­schäfts­be­rei­ches Städ­te­bau.

Das Ge­län­de am Re­der­schei­der Weg lie­fer­te in der Ver­gan­gen­heit reich­lich Ge­sprächs­stoff, wie mehr­fach be­rich­tet. Auf dem Wo­che­nend­ge­biet gab es Par­zel­len, auf de­nen Päch­ter Häu­ser auf ei­ge­ne Kos­ten er­rich­tet hat­ten. 2014 wur­de das Are­al zwangs­ver­stei­gert. Den Zu­schlag be­kam die Al­pha Fe­ri­en­haus Ltd, sie zahl­te den Kauf­preis al­ler­dings nie. Die Gläu­bi­ger be­an­trag­ten Zwangs­ver­wal­tung; die Stadt Bad Hon­nef wie­der­um pach­te­te nach recht­li­cher Klä­rung Tei­le des Are­als für den Bau der Flücht­lings­un­ter­kunft an. Nach an­nä­hernd zwei Jah­ren konn­te En­de Ok­to­ber 2016 ein Schluss­strich ge­zo­gen wer­den: Beim er­neu­ten Zwangs­ver­stei­ge­rungs­ter­min be­kam die Stadt Bad Hon­nef den Zu­schlag. Kauf­preis: 705 000 Eu­ro. 

Teils ein Mar­ty­ri­um hat­ten in der Zwi­schen­zeit die Päch­ter er­le­ben müs­sen, vor al­lem durch die recht­li­chen Un­si­cher­hei­ten vor dem zwei­ten Ver­stei­ge­rungs­ter­min, al­ler­dings auch, weil sie – so wur­de be­klagt – durch den zwi­schen­zeit­li­chen Er­stei­ge­rer des Ge­län­des un­ter Druck ge­setzt wur­den. Hin­zu kam: Auf dem Son­der­ge­biet, so die of­fi­ziel­le bau­ord­nungs­recht­li­che Be­zeich­nung des Wo­che­nend­plat­zes, sind dau­er­haf­te Wohn­sit­ze nicht zu­läs­sig. Die Rea­li­tät sah al­ler­dings an­ders aus. Vie­le Päch­ter hat­ten dort ih­re ein­zi­ge Blei­be. Pin­to: „Wir wa­ren ge­hal­ten, ord­nungs­recht­lich da­ge­gen vor­zu­ge­hen.“ Die Stadt als neue Ei­gen­tü­me­rin wol­le sich nun um ein „so­zi­al­ver­träg­li­ches Um­zugs­ma­na­ge­ment küm­mern. „Wir sind mit al­len im Ge­spräch. Es gibt ein re­gu­lä­res Kün­di­gungs­schrei­ben. Aber es geht auch da­rum, ein mensch­li­ches Ge­sicht zu zei­gen“, so Pin­to. Ein Punkt, auf den auch im Aus­schuss Wert ge­legt wur­de. Zu­gleich steht fest: Mit rund drei Hek­tar Grö­ße, so Dirk Wie­he vom Pla­nungs­amt, bil­det das Are­al die „größ­te kom­mu­na­le Ei­gen­tums­flä­che über­haupt“. Zwar ge­be es noch kei­ner­lei städ­te­bau­li­che Vor­stel­lun­gen über Wohn­ein­hei­ten, Ge­bäu­de­struk­tu­ren oder -ge­stal­tung. Auch sei of­fen, wie lan­ge die städ­ti­sche Flücht­lings­un­ter­kunft noch be­nö­tigt wer­de. Das Flä­chen­po­ten­zi­al aber um­fas­se si­cher 100 Wohn­ein­hei­ten, „für Rott­bit­ze ist das ein Rie­sen-Städ­te­bau­pro­jekt“, sag­te Wie­he.

Und in die­ser Rich­tung soll es nun auch wei­ter­ge­hen. Den Hin­weis in der Sit­zungs­vor­la­ge der Ver­wal­tung auf ei­ne Mi­schung aus öf­fent­lich ge­för­der­tem und pri­vat fi­nan­zier­tem Woh­nungs­bau griff Burk­hard Hoff­meis­ter (Grü­ne) auf. Laut Hoff­meis­ter, auch Kreis­tags- und Auf­sichts­rats­mit­glied bei der Ge­mein­nüt­zi­gen Woh­nungs­bau­ge­sell­schaft für den Rhein-Sieg-Kreis mbH (GWG), hat die GWG an ei­ner Mit­wir­kung je­den­falls gro­ßes In­te­res­se. 

Fa­bia­no Pin­to teil­te auch mit, dass das Ge­län­de in der näch­sten Zeit ver­mes­sen wer­de. „Ein ge­nau­es Auf­maß gibt es bis­her nicht.“ Auch sei ei­ne „klein­ere Bo­den­alt­last“ ge­fun­den wor­den. „Was es ist, kön­nen wir noch nicht sa­gen. Wir wer­den das jetzt aber un­ter­su­chen las­sen.“

Quelle: General-Anzeiger-Bonn vom 08.04.2017

Last changed: 08.04.2017 at 05:36
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